Von Säuen, Gänsen und Gouvernment
Zwei Briefe, November 1788

Zwei Briefe zwischen zwei Freunden; der eine im Begriff, den Atlantik zu überqueren, der andere, eine Nation zu schultern. Ich veröffentliche sie hier unkommentiert, aber nicht unbemerkt als kleine Zeitkapsel, denn sie demonstrieren wunderschön Vertrauen anhand von Transparenz, Humor durch die Lieferung exzentrischer Nutztiere, und Pflichtgefühl durch stilles Eingeständnis von Erschöpfung und Sorge.
Gouverneur Morris an George Washington
Morrisania, 12. Novr. 1788
Lieber General,
nach vielen unvorhergesehenen Verzögerungen werde ich bald von Philadelphia ins französische Königreich aufbrechen und erwarte, auch Holland und England zu besuchen. Wenn ich darum bitte, von Ihnen mit Aufträgen beehrt zu werden, so ist das nicht die blosse höfliche Redewendung, der Sie tagtäglich begegnen und deren wahren Wert Sie besser als jeder andere zu schätzen wissen. Ob ich Ihnen in irgendeiner Weise nützlich sein kann, weiss ich nicht. Aber dies weiss ich: Sie dürfen jederzeit auf mein bestes Bemühen zählen. Ich will an dieser Stelle keine weiteren Beteuerungen abgeben, denn ich bin mir sicher, Sie sind sich meiner Aufrichtigkeit Gewiss.
Sie würden mir einen grossen Gefallen tun, wenn Sie mir Empfehlungsschreiben für diejenigen Personen ausstellen würden, die Ihrer Meinung nach für mich nützlich sein könnten und denen Sie es für angebracht halten, mich vorzustellen. Unter anderem für Mr. Jefferson, den ich nur flüchtig kenne. Ich glaube, ich habe Ihnen gegenüber einst den Wunsch geäussert, nicht mit Empfehlungsschreiben der vielen, die dazu neigen, solche auszustellen, belastet zu werden. Ich sehe sie als eine Art Papiergeld, das nicht nur wenig Wert hat, sondern auch nicht immer seriös ist, obwohl vielleicht als Zahlungsmittel anerkannt. Ich bitte Sie um Ihre als zweifelsfreien Wechsel der Gold wert ist, wo immer er hingeht. Gestatten Sie mir jedoch, der kaufmännischen Redewendung (oder Metapher) nachzugehen und Sie ehrlich zu bitten, mir nicht mehr Kredit zu geben, als ich wert bin, damit Sie nicht von meinen Gläubigern zur Rechenschaft gezogen werden, sollte ich mich als Bankrott herausstellen.
Ich vertraue Ihnen die Beilage für Col. Humphrey an, der zweifellos noch bei Ihnen ist und voraussichtlich im Frühjahr mit Ihnen gehen wird. Ich habe Ihnen ein paar chinesische Schweine versprochen, ein Versprechen, das ich nur zur Hälfte einhalten kann, da mein Eber, der der Galanterie etwas zu sehr zugetan war, sich bei der Verfolgung gewöhnlicher Sauen erhängt hat, und seine Gemahlin, um ihre Melancholie zu lindern (denn was können unglückliche Witwen leider sonst tun), sich mit einem Liebhaber vulgärer Herkunft eingelassen hat, sodass ihre grunzenden Nachkommen um die Hälfte weniger grosse Backen und Bäuche haben als ihre Mutter. Um die Angelegenheit so gut zu flicken wie ich kann, werden zur Begleitung der Schweine ein Paar chinesische Gänse geschickt, die wirklich die törichsten Gänse sind, die ich je gesehen habe, denn sie wählen alle Zeiten zum Brüten ausser dem Frühling, und eine von ihnen ist gerade mit diesem Geschäft zugange.
Es wäre erniedrigend für die edle Menschrasse, nach Ebern und Gänsen Politik einzubringen. Dies ist eine akzeptable Ausrede, nichts zu sagen. Die Wahrheit ist jedoch, ich habe nichts zu sagen. Ich gehöre zu den Optimisten und glaube, dass alles gut gehen wird, denn Sie werden mit Sicherheit den Präsidentenstuhl einnehmen, und ich bin mir sicher, dass Sie sich sehr bemühen werden, zu verhindern, dass etwas schiefgeht. Was den Rest betrifft, pflichte ich von ganzem Herzen der Bibel bei, dass die Weisheit des Menschen Torheit vor Gott ist, da ich gesehen habe, wie sowohl Narren als auch Torheit auf höchst überraschende Weise Erfolg hatten. Und der einzige Schlüssel zu dieser Art Erfolg, den ich je gefunden habe, war in einer sarkastischen Bemerkung über drei alte Anwälte aus New York; Smith, der sich dem Studium der Theologie verschrieben hatte, Alexander in Mathematik vertieft und Chambers vertieft in gar nichts. Smith, sagte der Witzbold, schwebt in den Wolken, Alexander verliert sich in Winkeln und Dreiecken; der einzige vernünftige Mann der Anwaltskammer ist John Chambers, denn er redet dummes Zeug, das selbst eine einfache Jury versteht.
Bitte übermitteln Sie Mrs. Washington meine aufrichtigen Grüsse. Es ist mein Wunsch, dass weder sie noch Sie Mount Vernon vermissen werden. Aber dies ist mehr Wunsch als Erwartung, da ich nicht glaube, dass Sie an einem glücklicheren Ort sein könnten, zumindest wenn ich nach dem urteilen darf, was ich gesehen und gefühlt habe. Es ist Zeit, Adieu zu sagen, denn ich habe nur noch Platz zu sagen, ich bin der Ihre
Gouvr Morris
George Washington an Gouverneur Morris
Mount Vernon Novr. der 28., 1788
Sehr geehrter Herr,
ich habe mich sehr über Ihren Brief vom 12. mit der letzten Post gefreut. — Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihr Angebot, Aufträge für mich in Europa auszuführen, und werde mir die Freiheit nehmen, Ihnen nur einen einzelnen zu erteilen. — Ich möchte eine goldene Uhr für meinen eigenen Gebrauch erwerben (keine kleine, unbedeutende oder übermässig verzierte), sondern eine Uhr, die in puncto Verarbeitung gut ausgeführt ist und in Grösse und Art der ähnelt, die Mr. Jefferson für Mr. Madison erworben hat (die gross und flach war). — Ich nehme an, Mr. Jefferson kann Ihnen diesbezüglich den besten Rat geben, da mir gesagt wurde, dass diese Art von Uhren, die ich beschrieben habe, in Paris billiger und besser verarbeitet zu finden sind, als in London. — Zur Deckung der Kosten lege ich einen Wechsel über fünfundzwanzig Guineen auf London bei, zahlbar bei Vorlage. — Sollte der Aufwand grösser sein (denn ich möchte eine gute Uhr haben), werde ich dafür sorgen, dass Ihnen die Differenz erstattet wird. — Ausser einem schlichten, schönen Schlüssel ist für die Uhr nichts weiter erforderlich.
Gemäss Ihrem Vorschlag lege ich Ihnen hiermit Briefe für den Grafen von Rochambeau, den Marquis de Chastellux1, den Marquis de La Fayette und Mr. Jefferson in Frankreich, für Lord Fairfax, Mr. Welch, einen Kaufmann aus London, und Mr. Arthur Young in England sowie für den Baron von Van den Capellan und Mr. Mandrillen in Holland bei. Sie müssen sich bewusst sein, dass meine Bekanntschaften mit Personen in Europa entweder während ihres Aufenthalts in diesem Land oder durch literarische Korrespondenz entstanden sind. Obwohl es eine Vielzahl an Personen gibt, von denen ich hin und wieder Briefe erhielt, so denke ich, dass Bekanntschaft mit einigen von ihnen nicht wünschenswert wäre und dass ich mit anderen kaum genug vertraut bin, Empfehlungsschreiben zuzusenden. — Da ich den derzeitigen Lord Fairfax seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe, habe ich in meinem Brief an ihn auf diesen Umstand hingewiesen. — Mit Charakter und Nützlichkeit von Mr. Young, mit dem ich seit dem Frieden korrespondiere, kennen Sie sich selbst perfekt aus. — Mr. Mandrillen ist Kaufmann und Literat — er hat viel zugunsten Amerikas geschrieben und scheint ein Enthusiast hinsichtlich des Wohlstands dieses Landes zu sein. — Baron Van den Capellan könnte sich, soweit ich weiss (da ich seit vier oder fünf Jahren keinen Brief mehr von ihm erhalten habe), im Jenseits aufhalten — wo eine höfliche Vorstellung bestimmt auch nicht schlecht ankommt. — Ich hätte Mr. Dumas, dem ehemaligen Vertreter der Vereinigten Staaten in Den Haag, eine Zeile schreiben können, aber er steht zu sehr in Verruf, um Ihnen von Nutzen zu sein. —Für den Fall, dass Ihre Reisen Sie nach Irland führen sollten, habe ich Sir Edward Newenham einen Brief mitgegeben. — Aber ich gehe davon aus, dass Sie für alle Orte so viele haben werden, wie Sie brauchen. — Ich habe Ihren Brief an Colo. Humphreys weitergeleitet, der mit dieser Übermittlung schreibt, & Sie nehmen meinen Dank für die exotischen Tiere, die Sie mir vermitteln, gerne entgegen. —
Das betreffend, was Sie gegen Ende Ihres Briefes über mich andeuten, so habe ich wirklich wenig Musse oder Lust, mich auf eine Diskussion über ein Thema einzulassen, das mir so unangenehm ist. Sie können in erster Linie davon überzeugt sein, dass ich hoffe, dass die Wahl nicht auf mich fallen wird — und in der zweiten, dass, sollte mich eine Art unvermeidliche Notwendigkeit doch zu einem anderen Schicksal zwingen, genug Zeit sein wird, diesem Impuls nachzugeben, wenn er nicht mehr abgewehrt werden kann. — Mrs. Washington schliesst sich an bei meinem Wunsch dass Sie eine erfolgreiche Reise : und dass, wenn Sie Ihre Ziele erreicht haben, eine ebenso glückliche Heimkehr zu Ihren Freunden haben. — Erweisen Sie mir stets die Gerechtigkeit zu glauben, dass ich Ihnen mit aufrichtiger Hochachtung verbunden bleibe
Sehr geehrter Herr,
Ihr ergebenster und Ihnen zugetaner demütiger DienerGo: WASHINGTON
Anmerkungen:
Alle Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche (sofern nicht anders angegeben) habe ich persönlich in Zusammenarbeit mit ChatGPT (OpenAI, GPT-5, Oktober 2025) angefertigt.
Als Grundlage diente die Transkription von und aus:
Davenport, Beatrix Cary. A Diary of the French Revolution by Gouverneur Morris 1752–1816, Minister to France during the Terror I. George G. Harrap & Co. Ltd., 1939. (S. xxxi–xxxv)
